Chairside-CAD/CAM gibt es bereits seit 1985, doch die Entscheidung für eine Investition ist nach wie vor alles andere als einfach. Die Technologie hat sich deutlich weiterentwickelt – bessere Scanner, leistungsfähigere Software, besser vorhersagbare Fräsergebnisse –, aber die Kernfrage für die meisten Praxen hat sich nicht geändert: Ist es für meine Ausstattung klinisch und finanziell sinnvoll?
Dieser Artikel behandelt die tatsächlichen Leistungen von Chairside-CAD/CAM, die Grenzen dieser Technologie und wie Sie die Investitionsentscheidung im Hinblick auf das Patientenaufkommen, das Team und das Wettbewerbsumfeld Ihrer Praxis treffen können.
Wenn Sie einen Überblick darüber erhalten möchten, wie der gesamte digitale Workflow zusammenhängt, bevor Sie sich mit den Vor- und Nachteilen befassen, lesen Sie unseren Artikel. Vollständiger CAD/CAM-Arbeitsablaufleitfaden für die Zahnmedizin Die
Die patientennahe CAD/CAM-Technologie ermöglicht schnellere Restaurationen und macht physische Abdrücke überflüssig – ist aber mit hohen Anfangskosten und einer steilen Lernkurve verbunden. Folgendes wägen Zahnärzte vor einer Investition ab:
· Verbessert es die Pflegefreundlichkeit?
· Fühlt sich der Patient dadurch wohler?
· Verbessert es die Qualität?
Wenn Sie über eine Investition in Chairside-CAD/CAM nachdenken, hoffen wir, dass Ihnen diese Übersicht über die Vor- und Nachteile, die auf die oben genannten Punkte eingeht, hilfreich ist.
Der größte praktische Vorteil der patientennahen CAD/CAM-Technologie liegt auf der Hand: Der Patient kommt nur einmal und verlässt die Praxis mit dem endgültigen Zahnersatz. Kein provisorisches Kronenmaterial muss befestigt und später entfernt werden, kein zweiter Termin ist nötig, und es besteht kein Risiko, dass das Provisorium in der Zwischenzeit versagt.
In der Praxis dauert die Anfertigung einer Krone in nur einer Sitzung in der Regel 1,5 bis 2 Stunden. Die aktive Arbeitszeit des Zahnarztes – Präparation, Scannen und endgültiges Einsetzen der Krone – beträgt etwa 45 bis 60 Minuten. Die restliche Zeit entfällt auf die maschinelle Bearbeitung: CAD-Design, Fräsen und Sintern oder Glasieren. Währenddessen wartet der Patient im Wartezimmer. Es ist zwar ein längerer Termin als bei einer herkömmlichen Präparation, dafür entfällt aber der zweite Besuch komplett.
Das Feedback der Patienten konzentriert sich meist auf zwei Punkte: keine provisorische Krone, die zwischen den Terminen angepasst werden muss, und nur eine einzige Injektion. Für Patienten, die den zweiten Termin – und die zweite Narkose – als den belastendsten Teil der Behandlung empfinden, ist die Lieferung am selben Tag eine deutliche Verbesserung des Behandlungserlebnisses und nicht nur eine praktische Terminerleichterung.
In Praxen mit hohem Patientenaufkommen verstärkt sich die Effizienz noch. Bei einem einzigen Termin können mehrere Einzelzahnrestaurationen durchgeführt werden, und sobald die Assistenten im Umgang mit dem Scannen geschult sind, hat der Zahnarzt mehr Zeit für andere parallel laufende Behandlungen.
Die Umstellung auf digitale Abformungen beseitigt einen der häufigsten und problematischsten Schritte im herkömmlichen Arbeitsablauf der restaurativen Zahnheilkunde. Physische Abformungen sind anfällig für Verzerrungen und Schrumpfung – Fehler, die erst bei der Eingliederung sichtbar werden. Digitale Scans eliminieren diese Variable.
Sollte der Scan eine Lücke oder einen Defekt aufweisen, kann der betroffene Bereich erneut gescannt werden, ohne von vorn beginnen zu müssen. Allein dadurch wird die Anzahl der Nacharbeiten und die damit verbundene Behandlungszeit deutlich reduziert.
Neben der Genauigkeit ergeben sich weitere operative Vorteile. Digitale Abformungen lassen sich ohne physischen Speicherplatz unbegrenzt archivieren. Es müssen keine Abformlöffel gelagert, keine Materialien bestellt und keine Versandkosten für die Übermittlung der Abformung ins Labor berechnet werden. Für Praxen, die ihre Verbrauchskosten reduzieren möchten, summiert sich dies.
Der Patientenkomfort hat sich ebenfalls deutlich verbessert. Der Würgereiz, der durch herkömmliche Abformmaterialien ausgelöst wird, stellt für einen erheblichen Teil der Patienten – insbesondere solche mit kognitiven Einschränkungen oder erhöhter Empfindlichkeit – ein echtes Hindernis dar. Intraorale Scanner sind im letzten Jahrzehnt zudem deutlich kleiner und schneller geworden, wodurch sich die Zeit, die Patienten mit geöffnetem Mund verbringen, verkürzt.
Chairside-CAD/CAM beschränkt sich nicht auf einzelne Kronen. Je nach System und Scanner unterstützt es Kronen, Brücken, Veneers, Inlays, Onlays und Implantat-Bohrschablonen. Einige Scanner – iTero ist das am häufigsten genannte Beispiel – ermöglichen auch die Herstellung von Knirscherschienen und transparenten Alignern direkt in der Praxis.
Es ist wichtig zu erwähnen, dass digitale Abformungen keine eigene Frästechnik erfordern, um sinnvoll zu sein. Scans können direkt im STL-Format an ein externes Labor gesendet werden. Das bedeutet, dass eine Praxis digitale Abformungen als ersten Schritt einführen und die Frästechnik später hinzufügen kann, sobald der Arbeitsablauf etabliert ist und das Auftragsvolumen die Anschaffung der Geräte rechtfertigt.
Ein oft unterschätzter klinischer Vorteil ist die Möglichkeit, die Präparationsqualität vor dem Fräsen der Restauration zu beurteilen. Die Intraoralkamera vergrößert den präparierten Zahn und erleichtert so die Erkennung von Problemen mit der Präparationsform oder dem Präparationsrand bereits in der Planungsphase – und nicht erst beim Einsetzen der Restauration.
Die Fräspräzision ist hier ganz konkret entscheidend. Eine 5-Achs-Maschine bearbeitet Hinterschnitte genauer als eine 4-Achs-Maschine, da die zusätzlichen Rotationsachsen es dem Fräser ermöglichen, das Werkstück aus mehr Winkeln zu bearbeiten. Dies wirkt sich direkt darauf aus, wie gut die gefräste Restauration an komplexe Geometrien wie tiefe Ränder oder abgewinkelte Abutments angepasst ist. Der Unterschied zeigt sich in der Anpassungszeit beim Einsetzen und im langfristigen Sitz der Restauration.
Einzelpraxen können die Investition rentabel gestalten, doch in Gruppenpraxen mit höherem Fallaufkommen und längerer Gerätelaufzeit ist die Rechnung einfacher. Ein hilfreicher Ansatz zur Entscheidungsfindung: Schätzen Sie Ihre aktuellen monatlichen Laborkosten für Einzelzahnrestaurationen und berechnen Sie dann, wie lange es dauern würde, bis die Anfertigung von Kronen im eigenen Haus die Gerätekosten ausgleicht. Für die meisten Praxen mit einem konstanten Kronenaufkommen amortisiert sich die Anschaffung – die Frage ist der Zeitrahmen und ob der Cashflow in diesem Zeitraum tragbar ist.
Die Einführung von CAD/CAM-Systemen direkt am Behandlungsstuhl verändert den Arbeitsablauf für nahezu alle Mitarbeiter der Praxis, nicht nur für den Arzt. Die Assistenzkräfte müssen die Scantechnik und die Qualitätskontrolle der Scans erlernen. Die Rezeption muss die Terminplanung an längere Einzeltermine anpassen. Der Arzt muss sich mit der CAD-Software vertraut machen und später auch mit der Färbung und Farbanpassung direkt in der Praxis.
Die meisten Zahnärzte stellen fest, dass die Farbanpassung von Frontzahnrestaurationen in der eigenen Praxis Zeit braucht, bis sie optimal gelingt. Üblicherweise werden Frontzahnfälle in der Anfangsphase weiterhin an das Labor geschickt und erst dann in der eigenen Praxis bearbeitet, wenn die Farbanpassung sicher beherrscht wird. Dies ist eine praktikable Lösung und kein Mangel der Technologie – sollte aber bei der Einschätzung der Amortisationszeit des Gesamtsystems berücksichtigt werden.
Die Software hat sich deutlich verbessert. Neuere CAD-Plattformen automatisieren mehr Designschritte und reduzieren so die Anzahl der manuell zu treffenden Entscheidungen für den Arzt. Dennoch braucht es eine gewisse Eingewöhnungszeit, und Praxen, die diese unterschätzen, sind tendenziell schneller frustriert als jene, die sich darauf vorbereiten.
Eine detaillierte Aufschlüsselung des Softwarebewertungsprozesses finden Sie in unserem Leitfaden zur Analyse und Auswahl von CAD/CAM-Software.
Die Chairside-CAD/CAM-Technologie eignet sich gut für Einzelzahnrestaurationen im Seitenzahnbereich. Für alle anderen Anwendungen ist sie weniger geeignet.
Das bedeutet nicht, dass die CAD/CAM-Technologie am Behandlungsstuhl eingeschränkt ist. Es bedeutet vielmehr, dass die Technologie einen Bereich hat, in dem sie ihre beste Leistung erbringt. Dieses Verständnis des Bereichs vor einer Investition hilft, die Enttäuschung zu vermeiden, von ihr zu erwarten, dass sie alle Laborfunktionen ersetzen kann, was sie derzeit noch nicht kann.
Die Vorteile sind unbestreitbar. Genauso wie die Kosten und die Eingewöhnungszeit. Die Frage ist nicht, ob die CAD/CAM-Technologie am Behandlungsstuhl eine gute Technologie ist – das ist sie –, sondern ob sie zum jetzigen Zeitpunkt die richtige Investition für Ihre Praxis darstellt. Vier Faktoren sind dabei ausschlaggebend.
Der deutlichste Indikator ist die Anzahl der Einzelkronen, die Ihre Praxis monatlich fertigt. Die hauseigene Fertigung ist wirtschaftlich sinnvoll, wenn das Fallaufkommen hoch genug ist, um die Gerätekosten innerhalb eines angemessenen Zeitraums zu decken – in der Regel zwei bis vier Jahre für eine stark frequentierte Einzelpraxis. Bei geringem oder schwankendem Kronenaufkommen amortisieren sich die Laborkosteneinsparungen nicht schnell genug, um die Investition zu rechtfertigen, und die Geräte laufen Gefahr, ungenutzt zu bleiben.
Ein guter Ausgangspunkt: Erfassen Sie Ihre aktuellen Laborkosten für Kronen- und Inlayarbeiten über einen Zeitraum von drei Monaten. Hochgerechnet auf das Jahr ergibt sich daraus eine realistische Grundlage, um abzuschätzen, wie schnell sich die hauseigene Fertigung angesichts Ihres tatsächlichen Patientenmixes amortisieren könnte.
Die Ausrüstung ist nur ein Teil der Investition. Die Umstellung des Arbeitsablaufs – Scannen, CAD-Konstruktion, Fräsen, Endbearbeitung – erfordert die Zustimmung und Schulung der Anwender. Praxen mit mindestens einer technisch versierten Assistenzkraft, die bereit ist, die Verantwortung für den neuen Prozess zu übernehmen, bewältigen den Übergang in der Regel reibungsloser als Praxen, in denen die Lernkurve vollständig beim Arzt liegt.
Das ist kein Grund, die Sache ewig hinauszuzögern, aber ein Grund, das eigene Team vor einer endgültigen Entscheidung ehrlich einzuschätzen. Ein motivierter Assistent, der sich zum internen Spezialisten für Scannen und Fräsen entwickelt, macht oft den entscheidenden Unterschied zwischen einem effizient funktionierenden Behandlungssystem und einem, das täglich für Reibungsverluste sorgt.
In einigen Märkten hat sich die Sofortbehandlung von Zahnbehandlungen von einem Alleinstellungsmerkmal zu einer Standarderwartung der Patienten entwickelt. Wenn Ihre lokalen Wettbewerber diese Leistung anbieten und Patienten gezielt danach fragen, ist die Wettbewerbsrelevanz für eine Investition höher – die Technologie zieht Patienten an, anstatt lediglich die interne Effizienz zu steigern.
In Märkten, in denen die Sofortbehandlung von Zähnen noch unüblich ist, sieht die Lage anders aus. Die Investition muss sich zunächst hinsichtlich Patientenaufkommen und Arbeitsabläufen lohnen. Der Wettbewerbsvorteil ist ein nachrangiges Kriterium und keine primäre Begründung.
Für Praxen, die noch zwischen den beiden Ansätzen abwägen, liegen hier die zentralen Abwägungen:
| Chairside CAD/CAM | Traditioneller Laborablauf | |
|---|---|---|
| Umdrehen | Gleicher Besuch | 1–2 Wochen |
| Kostenstruktur | Hohe Anfangskosten, niedrigere Kosten pro Fall im Laufe der Zeit | Niedrige einmalige und laufende Laborkosten |
| Am besten geeignet für | Einzelzahnrestaurationen im Seitenzahnbereich, hohe Fallzahlen | Komplexe Frontzahnfälle, Vollbogen, geschichtete Keramik |
| Qualitätskontrolle | Intern, in Echtzeit | Labortechniker/in, Remote |
| Flexibilität | Beschränkt auf mahlbare Materialien | Größere Material- und Technikauswahl |
| Personalbedarf | Trainingsintensiv | Minimale Workflow-Änderung |
Keiner der beiden Ansätze ist grundsätzlich besser. Viele Praxen nutzen beide: Routinearbeiten mit Kronen und Inlays werden mithilfe von Chairside-CAD/CAM durchgeführt, während komplexe oder ästhetische Fälle weiterhin im Labor bearbeitet werden. Dieses Hybridmodell erzielt die größten Effizienzvorteile, ohne das hauseigene System für Fälle zu überlasten, die es weniger gut bewältigen kann.
Chairside-CAD/CAM bietet echten klinischen und betrieblichen Mehrwert – die Investitionsentscheidung hängt jedoch nicht primär von der Technologie ab. Entscheidend ist, ob Ihr Praxisvolumen, Ihr Team und Ihre Fallzusammensetzung die Voraussetzungen schaffen, unter denen sich dieser Mehrwert tatsächlich verstärkt.
Für Praxen, die diese Bedingungen erfüllen, zahlt sich die Umstellung auf die hauseigene Frästechnik in der Regel aus – hinsichtlich Effizienz, Patientenzufriedenheit und langfristig geringerer Kosten pro Restauration. Für Praxen, die diese Bedingungen noch nicht erfüllen, ist der Einstieg mit digitalen Abformungen ein risikoärmerer Weg, um dieses Ziel schrittweise zu erreichen.
Wenn Sie im Rahmen dieser Entscheidung auch Fräsmaschinen bewerten, ist Globaldentex's Produktpalette an zahnärztlichen Fräsmaschinen Die Website umfasst Stuhl- und Laborkonfigurationen mit 4- und 5-Achs-Optionen und bietet vollständige Spezifikationsvergleiche. Für einen umfassenderen Überblick über digitale zahnärztliche Gerätelösungen siehe Seite mit Ausrüstungslösungen ist ein nützlicher Ausgangspunkt.